[eh]rinnerungsworkshop März 2016

Bericht: „[eh]rinnerungskultur: Gedenkkultur auf Österreichisch“,
ein Workshop der ISHA Wien (11.03.-12.03.2016)

Ziel des Workshops, den die ISHA Wien gemeinsam mit der ISHA Graz vom 11.03. bis zum 12.03.2016 veranstaltete, war es, den österreichischen Umgang mit Erinnerung und Gedenkkultur zu thematisieren und kritisch zu hinterfragen. Der Workshop umfasste eine Führung durch das Kriegerdenkmal am Heldenplatz, zum Denkmal für Widerstandskämpfer*innen, zum Desserteursdenkmal und zum Mahnmal für jüdische Opfer des Nationalsozialismus, sowie einen dreistündigen theoretischen Input zum Thema Erinnerungskultur, sowie einen Vortrag des Vereins „Steine der Erinnerung“. An der Organisation und Durchführung wesentlich beteiligt waren Tamara Kurzbauer, Flora Fuchs, Pia Nagl, Tobias Eder, Georg Gänser und Julia Demel.

Am Nachmittag des 11.03.2016 traf sich die Teilnehmer*innen, sowie das Organisationsteam vor dem Äußeren Burgtor am Wiener Heldenplatz und bekam anschließend eine interessante Führung durch das Kriegerdenkmal und das Denkmal für die Widerstandskämpfer*innen, von Mag. Dr. Richard Hufschmied. Ursprünglich war geplant, dass Frau Dr. Heidemarie Uhl uns durch die Räumlichkeiten führt, diese war aufgrund eines grippalen Infekts jedoch kurzfristig verhindert. Im Anschluss daran gingen wir zum Deserteursdenkmal, das Denkmal für die Verfolgten der NS-Justiz, das sich am Ballhausplatz befindet und zuletzt besuchten wir noch das Mahnmal für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus am Wiener Judenplatz. Beide Erinnerungsorte wurden von Mitglieder der ISHA Wien (Tobias Eder, Flora Fuchs und Pia Nagl) kontextualisiert und in Zusammenhang mit dem Diskurs der österreichischen Öffentlichkeit betrachtet. Danach wurde bedarfsbedingt kurzfristig die Möglichkeit zum Aufwärmen bei einer heißen Schokolade geschaffen, bevor sich die Gruppe auf den Weg zum Cafè Benno machte, wo viele spannende Gespräche geführt und das Gesehene diskutiert wurde.

Um 09:30 des 12.03.2016 versammelten sich die Teilnehmenden und das Organisationsteam im Hörsaal 45 der Hauptuniversität. Der Workshop wurde durch das Kartenspiel „Memory Games“ der Wiener Künstlerin Nina Prade gemacht, das mit verschiedenen Bildern zum gemeinsamen Erinnern einlädt und einen persönlichen Zugang zu Gedenkkultur schafft. Daraufhin wurden zentrale Theorien zum Thema Erinnerung und Gedächtnis von Tobias Eder, einem Mitglied der ISHA Wien, präsentiert, erklärt und anschließend mit der Gruppe diskutiert. Ein kleiner Diskurs führte das Thema auch zu den Begriffen Postnazismus und Postfaschismus und deren Entstehungsgeschichte, sowie deren Platz in der aktuellen wissenschaftlichen Debatte. Als nächstes sprach Georg Gänser, ebenfalls ISHA Wien-Mitglied, über das „spezifisch Österreichische“ an österreichischer Erinnerungskultur und gab einen Überblick über dessen Geschichte, beginnend bei der Kontextualisierung von Geschehnissen wie dem Brand des Justizpalastes, über das Ende des zweiten Weltkrieges, den Opfermythos, der in der österreichischen Narrative lange vorherrschend war bis zu dessen stufenweisen Auflösung, hin zur aktuellen Debatte.

Nach einer kurzen Kaffeepause wurden in Gruppenarbeiten vier verschiedene Initiativen zu Gedenk- und Erinnerungskultur ausgewählt und deren Entstehungshintergründe beleuchtet, vor dem zuvor präsentierten theoretischen Hintergrund analysiert und im österreichischen Zusammenhang verortet. Zu den Initiativen zählten unter anderem das Projekt „Stolpersteine“, des deutschen Künstlers Gunter Demnig, das gewissermaßen als Inspirationsquelle für die Wiener Initiative „Steine der Erinnerung“ diente, der Thalerhof in Graz, der Audioweg in Gusen oder das Denkmal der Roten Armee am Schwarzenbergplatz. Danach wurde im Cafe Benno zu Mittag gegessen. Um 15:00 begann ein Vortrag von Elisabeth Ben David-Hindler, die Initiatorin der Steine der Erinnerung in Wien, zusammen mit ihrer Tochter Daliah Hindler. Sie erzählten sowohl von ihrer eigenen Geschichte, wie auch von der Geschichte ihres Projektes, den Hindernissen und Erfolgen, die sie damit hatten und darüber, was Aufarbeitung der Geschichte für sie bedeutet. Anschließend gab es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und es kam zu einem interessanten Gespräch über die Symbolik von Erinnerungssteinen, den Stellenwert von Erinnerungskultur innerhalb der österreichischen Bildungslandschaft und was Erinnerung auf persönlicher Ebene bedeuten kann.

Die Reaktionen der Teilnehmenden auf das Programm waren durchgehend äußerst positiv, ein Bild, das auch vom Organisationsteam und den Vortragenden geteilt wird. Wir hoffen, in Zukunft ähnliche Projekte durchführen zu können, da wir finden, dass eine lebendige Debatte und Reflexion des Themenbereichs der Erinnerungskultur und des Gedenkens ein wichtiger Teil des Geschichtsstudiums darstellen sollte und wir möglichst vielen Studierenden die Möglichkeit hierzu bieten möchten.